Mittwoch, 10. Juni 2009

In Memoriam

Meine erste - und bis vor wenigen Wochen letzte - Katze hieß Minchen. Wir bekamen sie von einer Tierhilfeorganisation, sie wurde zusammen mit ihrer Schwester in einer Plastiktüte an die Tür der Tierhilfe gehängt.

Minchen

Ich war 10, als meine Mutter eines Abends in mein Zimmer kam und mich fragte, ob ich eine Katze möchte. Selbstverständlich bejahte ich ihre Frage, während ich versuchte hinter ihren Rücken zu linsen, wo ich einen Stofftiger vermutete. Aber sie sprach von einer echten Katze!

Aufgeregt fuhren ich zusammen mit meinen Eltern am nächsten Abend zur Tierhilfe. Kaum kamen wir ins Wohnzimmer, kam eine kleine bunte Katze auf mich zugelaufen, sprang an meinem Bein hoch und begann mit meinem Anorak zu spielen. Für mich war klar: Die, oder keine.

Eigentlich sollte Minchen eine Wohnungskatze werden. Aber sie war entschieden dagegen und versuchte ständig ihr Köpfchen durch alle verfügbaren Fenster- und Türenschlitze zu stecken. Die Lösung wäre vermutlich ein Freigehege gewesen. Diese Lösung existierte damals jedoch noch nicht in unseren Köpfen. Wir gaben schließlich auf und ließen ihr ihren Willen.

(Kleiner Exkurs: Erst als mein Mann und ich uns vor einigen Monaten mit dem Gedanken trugen vierpfötigen Familienzuwachs aufzunehmen, las ich das erste mal davon, dass Dosis Freigehege für ihre Katzen bauen. Bis dato gab es keine Katzenfreigehege in meiner Welt! In Natura sah ich es das erste mal bei Karin.)

Damit war ihr Schicksal besiegelt. Wir verbrachten einige schöne Jahre miteinander - sie war extrem verschmust und anhänglich und ich habe sie abgöttisch geliebt. Aber eines Tages, ich weiß nicht genau nach wie viel Jahren (3? 4? 5?), kam sie nicht nach Hause.


Wir wissen nicht, was mit ihr geschehen ist. Sie liebte es im Auto zu fahren und sprang gerne in geöffnete Wagen, LKWs u. ä., so dass es gut möglich wäre, dass sie einfach mit einem Möbeltransporter wegfuhr und ein neues Heim fand. Oder sie ist irgendwo gestorben - durch einen Autounfall, durch Gift, in einem See ertrunken. Die Möglichkeiten für eine Katze umzukommen sind ja vielfältig und unsere Nachbarschaft war nicht gerade für ihre Katzenliebe bekannt. Ich halte die 2. Alternative für wahrscheinlicher, da sich in ihrem Halsband und in einer kleinen Kugel an ihrem Halsband unsere Adresse und unsere Telefonnummer befand und ich mir nicht vorstellen kann, dass jemand so herzlos sein könnte, einer Familie nicht Bescheid zu geben, deren Katze ihm zugelaufen ist.

Ich habe noch Jahre später (sogar Jahrzehnte) immer mal wieder geräumt, dass sie wieder da sei. Auch wenn unsere beiden Süßen mich wirklich glücklich machen, vermisse ich sie noch heute und frage mich ab und an, was wohl geschah.

1 Kommentar:

  1. Ja, dass ist ein blödes Gefühl wenn eine Katze spurlos verschwindet. Ich hatte das Glück, dass mein erster Kater 19 Jahre alt wurde und in seinem Zuhause sterben konnte.
    Aber der Nachbarskater Oskar, der uns dazu trieb selbst Katzen haben zu wollen, war eines Tages weg. Wir wussten nur, dass er vermisst wurde. Erst Monate später kam raus, dass die Besitzer ihn wohl doch in einem Vorgarten gefunden hatten. Er wurde überfahren. Ich habe so manche Woche morgens zur Tür geschaut, wo unsere Besuchskater sonst saß ...

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